Survival-Wahn...
Survival…
Dieses Wort hört man heutzutage an jeder Ecke und sogar auch auf unseren Webseiten.
Unser Thema "Preparedness" beinhaltet natürlich auch das Thema „gemäßigtes Survival“ in Anlehnung an unsere zivilisierte Welt.
Ein wenig Survival ja! …nur man sollte doch auf dem Teppich und in der Realität bleiben!
Grundsätzlich finde ich sogar Survivalschulen ganz OK und auch in bestimmten Bereichen recht sinnvoll.
Leider gibt es aber auch unter den "Survival-Schulen bzw. Einzelpersonen" etwas komische Gesellen, die den Leuten irgendwelchen Mist erzählen..."dass sie nach einem einzigen Survival-Wochenende wirklich jede Krisen- und Notfallsituation meistern werden..." (und das dann meist auch noch für viel Geld).
NIEMAND lernt Survivaltechniken an nur einem Wochenende!...zumindest nicht nachhaltig, so dass sie Routine werden und jederzeit aus dem Gedächtnis heraus abgespult werden können.
In diesem Artikel hier geht es aber auch nicht nur um das „noch“ normale „Jedermann-Survival“, welches ein paar Tage „Krise“ in der Bewältigung einfacher macht, sondern um das erschreckend stark umsichgreifende “Hardcore-Survival”.
Survival hier, Survival da…
Da wird dann gleich wieder auf spezielle psychologische Betreuung durch Fachpersonal, die großen Erfahrungen der ausbildenden Ex-Militärs und Spezialausbildungen hingewiesen.
Eine psychologische "nebenbei"-Betreuung finde ich ja noch ganz sinnvoll, aber wenn ein Survival-Anbieter oder wer sich dafür hält, unbedingt darauf hinweisen muss, dass er selbst oder seine Mitarbeiter hochdekorierte Ex-Militärs seien, dann frage ich mich nur:
Ist sowas eine alleinige Referenz für Survival-Kenntnisse und Können?
Ich kann nur raten, sehr genau die verschiedenen Anbieter zu vergleichen und abzuwägen, was man möchte!
Überall gibt es Survival-Bücher, Survival-Kits, Survival-Kurse, Survival-Wasweisich…
Keine Frage, für eine Notsituation vorbereitet zu sein macht wirklich Sinn, aber man sollte dabei nicht in eine irreale Scheinwelt abdriften und die Realität aus den Augen verlieren.
Vor einiger Zeit fand ich ein interessantes Forum im Internet, in dem es nicht vorzugsweise um Survival geht, sondern vielmehr auch um das gesamte Umfeld also auch das „vorbereitet sein“. Der Administrator dort hat ein hervorragendes Umfeld geschaffen. Ich teile seine Ansichten und denke nämlich auch, dass die Option „vorbereitet sein“ und dies mit humanen und realistischen Mitteln der bessere Weg ist.
Es gibt natürlich eine Unzahl von Publikationen und Veröffentlichungen, die mit der Realität absolut nichts mehr zu tun haben…
Klar ist es ganz toll, wenn man mit einem Feuerbohrer Feuer machen kann, natürlich ist es cool, wenn man sich im Wald aus alten Ästen und Laub ein Nachtlager bereiten kann.
Selbstverständlich kann man sich auch von Regenwürmern, überfahrenen Igeln und toten Vögeln ernähren….
Aber mal im Ernst: „Wann kommt der Otto-Normal-Verbraucher denn in eine Situation, in der er diese Kenntnisse zum Überleben nutzen muss?
Selbstverständlich wird derjenige, der eine Wüstentour macht, gut beraten sein, wenn er rechtzeitig eine fundierte Survivalausbildung macht. Natürlich sollte derjenige, der sich nur mit Messer und Flintstone im Dschungel aussetzen lässt, ein perfekter Survivalspezialist sein.
Aber was muss denn geschehen, damit ein ganz normaler Bürger nur noch mit einer spartanischen Survivalausrüstung hier Mitten in Europa/Deutschland überleben kann?
Besser gefragt, wie viel Zeit muss vergehen, damit ich nur noch mit einer solchen Ausrüstung über die Runden komme?
Absolut keine Frage, sicher können Situationen eintreten, bei denen man mit fundiertem Survival Wissen und Können sein Überleben sichern kann, jedoch ist dies nicht die Regel.
Spinnen wir doch einfach mal ein solches Szenario an und (und wohlbemerkt nicht durch)…
Um von Vornherein end- und sinnlosen Diskussionen über diverse „Wenn und Abers…“ vorzubeugen, begrenze ich mal das Szenario auf eine normale Lebensumgebung, also Europa, Mitten in Deutschland.
In dieser zivilisierten und industrialisierten Gegend bin ich jetzt also.
Mit sehr viel pessimistischer Anstrengung und den abwegigsten Gedanken fallen mir folgende mögliche „Auslöser“ für eine Situation ein, die ein Handeln und Leben unter Survival-Voraussetzungen erfordern würden, wenn eine solche Situation auch noch längere Zeit anhalten oder "nachwirken" würde:
- Kompletter und weltweiter Zusammenbruch der Wirtschaft
- Globale Katastrophe (Klimawandel extremst?)
- Impact (Einschlag eines Kometen etc.)
- Überregionaler EMP (Elektromagnetischer Impuls)
Mehr dieser „Urauslöser“ fallen mir nicht ein.
Aber was ist denn allein bei diesen Ereignissen der Fall?
Richtig, sie treten vermutlich nicht von einer Sekunde auf die andere ein.
Das bedeutet, ich werde in der heutigen Welt als informierter und weltoffener Mensch davon weder im Schlaf noch auf der Autofahrt überrascht.
Und selbst wenn ich davon überrascht würde, ich bräuchte dann noch lange keinen Feuerbohrer!
KEINES dieser Ereignisse wird uns mit einem Schlag wieder in die Steinzeit katapultieren.
Wer der Meinung ist und so einen Müll erzählt, der gehört zu dieser fraglichen Gruppe der Weltuntergangspropagisten, und denen ist mit einem Psychologen sicher besser geholfen als mit einer Survivalausrüstung.
Es gibt sicher unendlich viele Ereignisse (Schneefall, Hochwasser, Sturm etc. etc.), die unser Leben ziemlich durcheinander bringen können.
All diese Ereignisse lassen sich aber mit einer relativ guten Vorratshaltung und etwas Vorbereitung ganz gut überleben, sofern man überhaupt von „überleben“ sprechen kann.
Die meisten Ereignisse kündigen sich mehr oder weniger rechtzeitig an, so dass man auch immer noch etwas Zeit für Vorbereitungen hat (Eine Grundvorbereitung vorausgesetzt).
Aber spinnen wir mal weiter…
Was ist, wenn tatsächlich eines der genannten Ereignisse eintritt?
Befinde ich mich sofort in einer lebensfeindlichen Wildnis?
Nein! Natürlich nicht.
Selbst wenn ich gerade unterwegs bin, versuche ich dann erst einmal nach Hause zu kommen.
Zuhause habe ich mein gewohntes Umfeld, meine Notvorräte, Ausrüstung etc.
Ich werde mich also erst mal dort aufhalten.
Warum?
Dass ein Großteil der Menschheit im Laufe der Evolution sesshaft geworden ist, hat sicher seinen Grund! Die Evolution hatte eines: Zeit!
Und in dieser Zeit hat (auch!) die menschliche Evolution den für sich besten Weg gewählt.
In seinen „vier Wänden“ ist man relativ sicher!
Die Briten sagen zu Recht „my Home is my castle“.
Aber selbst wenn ich aus irgendwelchen Gründen mein Zuhause doch verlassen muss, stehe ich doch nicht sofort in einer Wüste oder im Dschungel.
Egal wo, ob unterwegs oder zuhause, die gängigen „Mittel“ hat man doch zur Verfügung.
Nehmen wir mal die Option „Feuer machen“, falls wirklich sämtliche Versorgungswege und Lebensadern wie Strom, Gas etc. unterbrochen sind.
Mit einem einfach zu bedienenden Feuerzeug oder simplen Streichhölzern, was wohl in jedem Haushalt aufzutreiben ist, kann man schon einige Male ein tolles Feuerchen entzünden. Da muss lange noch Niemand mit Steinzeitmitteln Feuer machen.
Auch muss man nicht unter Blättern im Wald schlafen.
Und wer ernsthaft hungert (hungern ist was anderes als Appetit haben!), weil die Regale beim Discounter mal ein paar Tage leer sind, der hat grundlegend etwas verkehrt gemacht.
Klar, bei einer inszenierten Survivalsituation, beim Survivalkurs usw. kann man sich ja die diversen Kenntnisse und Fähigkeiten aneignen und testen, aber mit der normalen Realität und der Krisenbewältigung in unserer Zeit hat das sehr wenig zu tun.
Vor einigen Tagen habe ich sozusagen als Bettlektüre das Buch von Rüdiger Nehberg „Die Kunst zu überleben“ zu lesen begonnen. Bisher konnte ich mich ja davor drücken ![]()
Alle Welt lobt ja u.a. dieses Buch als lesens- und erfahrungswerte Lektüre.
In einem Survival-Forum wird es ja fast als die Bibel der Previvaler verehrt.
Ich bin mir aber nicht sicher, ob ich diese Meinung teilen kann…
Jeder, der einen Militärdienst oder Vergleichbares abgeleistet hat oder noch ableistet, wird über mehr oder weniger hervorragende Survival-Kenntnisse verfügen.
Wenn man diese Kenntnisse mal als fundiertes Basiswissen zugrunde legt, dann kann man schon mal zwischen Stirnrunzeln und Kopfschütteln schwanken.
Keine Frage, Rüdiger Nehberg ist sicher ein Survival-Spezialist, dessen Wissen und Können überhaupt nicht in Frage gestellt werden kann und sollte. Nur die Tips und Anleitungen beschreiben extremste Situationen und die daraus resultierenden Aktionen. Aber selbst die allgemeinen „Alltagstips“ sind schon recht abwegig. Er schreibt dieses Buch ja nicht für Elite-Einheiten sondern für den „normalen Survival-Interessierten“.
Wer schon mal ein militärisches Survivaltraining durchlebt hat (oder im Rahmen der Dienstzeit musste), der wird dieses Buch noch viel kritischer betrachten.
Zitieren darf ich mal eine Stelle:
„Nimm deshalb nicht nur bequeme Wege, sondern lauf auch
querfeldein. Über Stock, Stein und Zaun, durch Pfützen, Dreck und
Flüsse, bei Tag und Nacht, bei Wärme und Kälte. Wenn der Rucksack
scheuert, weil du ihn nicht richtig aufgebunden hast, versuche, das zu
ertragen. Auch, wenn die Haut durchwetzt. Im Ernstfall mußt du das
auch erdulden können. Und du kannst es mit Sicherheit, wenn du es
sogar beim friedlichen Training durchhältst. Gern darfst du deinen
Rucksack absichtlich schlecht packen oder zur weiteren Erschwerung
ein Steinchen in den Turnschuh legen. Nur auf Blasen zu laufen ist noch
schöner.
Lege Spurts ein! Wenn dein Herz das zuläßt, lauf bis zur totalen Er-.
Schöpfung. Das muß nicht heißen: zwanzig Kilometer, sondern einfach
schneller. Man kann sich auch auf tausend Metern totlaufen. Wenn du
dein Ziel erreicht hast, spring ins kalte Wasser. Ist es zugefroren, hacke
dir ein Loch hinein. Die kurze Abkühlung vom glühenden Schwitzen
hat Sauna-Effekt. Seit ich das mache, habe ich nie wieder eine Erkältung
gehabt.
Klettere zur Abwechslung auf einen Baum. Natürlich auf einen mit
glattem Stamm….:“
Sowas sind Tips und Anleitungen für den Survival-Einstieg und für ganz normale Menschen?
Jedem seine eigene Meinung, nur sowas ist aus meiner Sicht doch sehr realitätsfremd.
Wer sich derart, und noch dazu als Zivilist, allen Ernstes auf eventuell bevorstehende Ereignisse vorbereitet, der muss schon ein sehr pessimistisches Gemüt haben.
Hoffentlich versteht man mich nicht falsch. Wenn ich nächste Woche mit dem Fallschirm über einem fremden Territorium abspringen müsste, dann würde ich derartige Vorbereitungen ja noch halbwegs verstehen, nur in der zivilisierten Welt setze ich dahinter mehr als drei Fragezeichen.
Na egal… ist ja nur eine kurzweilige Bettlektüre….
Den Hype um das ganze Extremsurvivalgehabe (was für ein Wort) verstehe ich trotzdem nicht.
Ja, auch wir halten eine recht gute Ausrüstung jederzeit bereit, wir haben Notvorräte, ja sogar einen Hobo und noch diverse andere Materialien. Unsere Kenntnisse und Fertigkeiten dürften selbst höchsten Ansprüchen genügen ;-)
Ja! Auch ich habe sogar eine Survival-Ausrüstung. Diese besteht aber nur aus wenigen Teilen:
Mehr nicht!
Ja, das trage ich sogar immer bei mir (für wirklich unvorhersehbare Extremsituationen).
Aber ich denke nicht, dass ich jemals in meinem Leben mit einem Stück Holz und einem Stock gezwungen bin, Feuer machen zu müssen. Das ist einfach zu abwegig!
Mal angenommen, es tritt wirklich unter allerwidrigsten Umständen eine Situation ein, in der Alles zusammenbricht, die Versorgung, die öffentliche Ordnung, die Lebensadern etc. , und dann verschwinden auf geheimnisvolle Weise noch alle Feuerzeuge, Streichhölzer und Zündhilfen, Behausungen, Konserven, Nahrungsmittel… dieser Welt (Ironie!), also wirklich ein Szenario, bei welchem man mit „herkömmlichen Mitteln“ nicht mehr überleben kann, dann würde das genau das von mir für mich titulierte „Plan-B-Szenario“ betreffen.
Wenn, WENN! es wirklich mal zu einem solchen Szenario kommen sollte, dann muss jeder, der darüber ernsthaft nachdenkt, sich auch Gedanken über mehr als unpopuläre Entscheidungen machen und diese in letzter Konsequenz auch durchführen. Entscheidungen, die dann im Wahrsten Sinne des Wortes über Leben und Tod entscheiden.
Heutzutage wird aber Niemand mehr öffentlich über solche „Plan-B Vorbereitungen“ schreiben oder anderweitig berichten.
Wer dazu Lesestoff sucht, ist mit Lektüren wie „der totale Widerstand“ (aus der Schweiz, aber mittlerweile auf dem Index/verboten) oder Ähnlichem gut bedient.
Abgesehen davon, dass sowohl das benötigte Material als auch die Art der Beschaffung direkt in die rechtlichen Grauzonen und auch weit darüber hinaus abdriftet, muss man einfach sehen, dass dann nur noch das Gesetz des Stärkeren zählt.
Wer sich als Zivilist so extrem mit diversen Survivaltechniken befasst, der muss auch die letzte Konsequenz daraus in Betracht ziehen: zu töten…und zwar auch Menschen! Zu dieser Einschätzung kommt wohl auch jeder geistig normale Leser diverser Nehberg-Bücher, schließlich wir ja offen auch auf das Thema Waffen und deren Einsatz gegen Menschen eingegangen.
Das so weiter zu spinnen würde aber eher in einen MadMax-Film passen als in eine realistische Einschätzung der möglichen Krisen-Szenarien unserer Zeit.
Ganz gewiss, ich gehöre sicher nicht zu den Optimisten, die unserer Zivilisation eine rosarote Zukunft voraus sagen, aber trotz meiner persönlichen doch eher kritischen Einschätzung glaube ich fest und sicher, dass wir hier in unseren Breitengraden auf längere Sicht KEINE Survival-Ausrüstung zum Überleben brauchen werden.
Ich habe zwei Kinder in diese Welt gesetzt, dies hätte ich nicht getan, wenn ich nicht an die Zukunft glauben würde…
Eine ganz normale Vorratshaltung, eine gewisse vernünftige Notausrüstung und ein durchschnittlicher Verstand werden sicher reichen, um auch in den nächsten Jahren in Krisenzeiten über die Runden zu kommen.
Krisen hat es immer wieder gegeben und wird es sicher auch in Zukunft geben…
Ich teile in einigen Punkten die Ansichten und den Gedanken des sogenannten „Human-Survival-Projects“ in Blick auf zukünftige Krisensituationen hier in Europa.
Irgendwie wird der Eine dem Anderen helfen….
Anders würde es auch nicht funktionieren….
Als Schlusswort könnte man sagen….jedem sein Survival……


Kommentare
Ich stimme da in vielen Punkten zu. Leider scheinen wir auch in einer Welt zu leben wo es Leute gibt die sich Survival Experten nennen oder gar noch abenteuerlicher "Erlebnispädago gen" die den Anschein erwecken mit einem Kurs einem menschen SUrvival lehren zu können das fast jede ultimative Extremlage überleben lassen wird. Sicher erlernt man Tricks aber die klappen nicht in jeder Lage.
Ein Extrem ist immer eine sehr individuelle Sache (... so lehrt man es z.B. auf dem mil, Sektor).
Ein mensch hat seine Urinstinkte und wenn die im Extrem noch etwas klappen wird man wahrscheinlich auch richtige ENtscheidungen treffen um so das Extrem zu überleben. Es gäbe zahllose Beispiele wo menschen in Extreme kamen die salopp nie vorher etwas von Survival gehört haben und dennoch überlebten. Auf der anderen Seite gibt es dazu reale Vergleiche wo salopp altgediente Survival Leute in ähnliche lAgen kamen und starben.
Survival kann dich lediglich anhalten stetig dein Wissen und deine Fähigkeiten zu erweitern. Insbesondere die pschologische Grundhaltung wird eine wesentliche Rolle spielen wenn es darum gilt Extreme überleben zu wollen.
kleine abschließende Anmerkung: das mil. Survival - Training wird der "übliche" Soldat kaum gezeigt bekommen. Dennoch ist gerade der mil. Bereich ein sehr interessanter bereich wenn es um das Thema Survival geht. ..... und bislang gibt es dazu kein eimnziges von den mil. zugelassenes Lehrbuch für Zivilpersonen
Achim Levi
vielen Dank für den Beitrag!
Sie konnten den Kommentar nicht einstellen, da sie zuviele Zeichen verwandt haben.
Ich habe den Kommentar nun eingetragen.
lg.
Mathias
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